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BOSS ME-20B

Seit gut einem Jahr besitze ich das ME-20B Bass Multieffektpedal der Boss Corporation bzw. aus dem Hause Roland. Ich habe das Effektboard zu Hause beim üben, im Proberaum und auch auf der Bühne benutzt, und konnte in dieser Zeit ein paar Erfahrungen sammeln, die ich in diesem Review zusammenführen möchte.

Warum ein Multieffektpedal?

Für verschiedene Musik-Projekte wollte ich meinen Bass-Sound erweitern, verschiedene Presets programmieren, die ich für jeden Song individuell abrufen kann, während der Probe oder beim Jammen Effekte ausprobieren, und für das Üben daheim wollte ich keinen Verstärker mehr herumstehen haben. Das waren für mich alles gute Gründe nach Effekten Ausschau zu halten. Bei meinem Gitarren-Setup hatte ich neben dem Instrument und meinem heißgeliebten Fender Twin nur ein Dunlop CryBaby Wahwah und einen alten Boss Tube Screamer als Effekte im Einsatz. Mein Hartke Topteil erlaubt dank des 10-Band EQs, der Tube- und Solidstate Einstellung, dem Kompressor und den Contour-Regelung für Tiefmitten und Höhen schon ein sehr breites Klangspektrum - jedoch wollte ich noch ein ein bisschen mehr.

 

Bei Musik-Schmidt in Frankfurt habe ich das ME-20B gegen den V-Amp Bass getestet und mich schnell für das Boss-Gerät entschieden. Für das ME-20B sprach in erster Linie dass es eine Vielzahl an Effekten zu einem günstigen Preis liefert. Es ist relativ klein und besticht - wie eigentlich alle Boss-Pedale - mit einer sehr guten, robusten Verarbeitung. Das Pedal kann mit Batterien oder mit einem Netzteil - welches nicht beiliegt! - betrieben werden.

Was hat das ME-20B für Funktionen?

Ich möchte einen kurzen Überblick geben, nicht aber auf jeden einzelnen Effekt eingehen, und auch nicht die Funktionsweise des Gerätes im Detail erklären - für Interessierte liefert die Roland-Homepage die besten Informationen.

Zur Hand- und Fußhabung stehen dem Musik ein Pedal, drei Fußtaster, vier Drehregler und verschiedene Knöpfe zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es noch ein zweistelliges LED-Display.

Das Pedal, welches primär als Volume-Pedal funktioniert und beim durchdrücken auf Wahwah umschaltet, hat eine robuste Gummierung, ist gut gelagert, lässt aber keine feinen Lautstärkeänderungen mit dem Fuß zu. Ich würde da eher zum Poti am Instrument greifen oder einfach leiser spielen.

Die drei Fußtaster aktivieren die SFX-Effekte (Taster 1), die Kompressor, Verzerrer und Synthie Effekte (Taster 2) und Chorus, Reverb, Delay, etc. (Taster 3). Tritt man 1 und 2 zusammen so schaltet das Board in den Bypass-Modus, es wird also das reine Signal durchgeschliffen. Zusätzlich ist dann auch das eingebaute Stimmgerät aktiviert. Im Display wird der Grundton angezeigt, links und rechts davon leuten Pfeile, je nach dem ob man zu tief oder zu hoch ist. Tritt man 2 und 3 gleichzeitig, so ist der Memory-Mode aktiviert. In diesem Modus kann man eigene Presets  einstellen und auf unterschiedlichen Bänken abspeichern.

Um das Display herum befindet sich der Bass Enhance Schalter, welcher durch das anheben bestimmter Frequenzen den Sound satter und basslastiger macht. Unter diesem Schalter ist der Master-Level Regler untergebracht. Über zwei der vier Knöpfe unter dem Display lässt sich auch die NS Threshold Rauschunterdrückung aktivieren und einpegeln.

Die Rückseite des Gerätes verfügt über die Input-Buchse, einen 3,5mm Aux-In über den man bspw. via MP3-Player Musik einspeisen kann, zwei Outputs (R, L/Mono), einen Kopfhöreranschluss, einen Anschluss für einen zusätzlichen Taster/Schalter der den Tuner ein- und ausschaltet, als letzter Anschluss ist die DC In für das Netzteil zu nennen. Unterhalb es Pedals befindet sich noch die Möglichkeit das Effektgerät via Savelock anzuketten.

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Welche Effekte sind an Board?

Über die drei Taster lassen folgenden Effekte anwählen:

  • Taster 1 (SFX): Wah Up, Wah Down, Wah Edge, Defretter, Octave

  • Taster 2 (Comp): Compressor, Overdrive, Distortion, OD-Direct, Synth1, Synth2

  • Taster 3 (Delay): Delay, Phaser, Flanger, Chorus, Chorus+Delay, Reverb

Die Einstellungen für den jeweiligen Effekt nimmt man über die vier Potis vor, welche sichüber den Tastern 1 und 2 befinden. Dazu wählt man mit dem Knopf die entsprechende Zeile aus, und stellt die geünschte Intensität des Effekts, bzw. dessen Parameter ein. Im Display wird dafür eine Skala von 0-50 angezeigt. Unter den drei Zeilen für die Effekte gibt es noch einen EQ, welcher genauso bedient wird.

Über verschiedene Knöpfe können drei Effekte zusammen gespeichert werden - hier zeigt sich allerdings die große Schwäche des ME-20B: Es kann immer nur EIN Effekt aus der Effektbank ausgewählt werden. Man kann also nicht Compressor und Distrortion oder Flanger und Reverb abspeichern. Gleiches gilt für den live Betrieb, es kann pro Taster auch nur ein Effekt angewählt werden, der über Druck auf den jeweiligen Banktaster geschaltet wird. Hat man nun einen Sound zusammengestellt und möchte diesen als Preset abspeichern, so stehen dafür 10x3 Slots zur Verfügung.

Ab Werk sind diese alle bereits mit Sounds belegt, welche aber überschrieben werden können. Möchte man nun ein bestimmtes Preset aufrufen, so wählt man über die Knöpfe neben dem Master-Level die entsprechende Bank aus, und wählt mit dem Taster den Slot (1-3) aus. Ich persönlich habe einige Effekte nie benutzt, dafür andere (Octaver, Reverb, Phaser ...) um so mehr.

Fazit

Für den Einsatz daheim zum üben, fürs Homerecording und im Proberaum ist der ME-20B sicherlich nicht verkehrt, die 180,-€ sind nicht in den Sand gesetzt. Den Einsatz auf der Bühne besteht das kompakte Boss-Board von der Verarbeitung sicherlich auch aber mir persönlich missfiel bei Auftritten und im Proberaum das, trotz eingestelltem Denoiser, vom Gerät erzeugte Rauschen (auch im Bypass-Betrieb) so sehr, dass ich es nicht mehr live verwende. Einen weiteren Minuspunkt im live Einsatz bekommt das Gerät für die sehr kleinen, nicht beleuchteten Knöpf zum Wechseln der Speicherbank. Möchte man bei einem Auftritt mehr als 3 Presets abrufen, so muss man sich vor das Gerät knien und in der Dunkelheit der Bühne den entsprechenden Knopf treffen.

Beim üben habe ich ein Metronom vermisst, welches bei einem digitalen Multieffektgerät eigentlich sehr einfach zu realisieren ist, und beim ME-20B leider fehlt. Der Aux-In ist wirklich klasse, und auch die Kopfhörerausgabe lässt - mit dem richtigen Kopfhörer - einen guten Klang aufkommen.

 

Diesen Text findet Ihr auch als Testbericht bei ciao.de

Aktualisiert (Montag, den 06. Juni 2011 um 09:38 Uhr)