Review HK Telecaster STL 100 Ash Burl
Bisher hatte ich zwei Gitarren bei mir daheim. Eine Akustik- bzw. Westerngitarre und eine Stratocaster-Kopie von Marathon, auf der ich auch gelernt habe Gitarre zu spielen.
Die Marathon-Strat war Qualitativ ganz okay, aber letztendlich war sie nicht mehr spielbar, da an dem alten China-Ding schon sehr der Zahn der Zeit genagt hat, und sie neue Bünde und eine komplett neue Elektronik brauchen würde. Ich behalte sie einfach weil es eben meine erste Gitarre war.
Ich habe mich nach einem anderem, guten und günstigen Ersatz umgesehen, den ich zum einspielen von ein paar Riffs und Gitarrenspuren benutzen kann. Welches Modell, also welche Bauform und PU-Bestückung, es sein sollte war nur dadurch beschränkt dass ich neben crunchigen Sounds auch ein paar knallende Funk-Riffs spielen will - und da waren dann die Gitarren mit nur zwei Humbuckern raus.
In einem Musikerforum habe ich dann einen Bericht über eine HK-Gitarre gelesen. HK oder besser HK-Instrumente ist eine Firma, die günstige Instrumente aus China importiert und diese in Deutschland via Internetshop oder auch eBay vertreibt. Über HK-Bässe habe ich schon im bassic.ch Bass-Forum einiges gelesen und dachte, dass es nicht verkehrt sein kann sich so ein Instrument mal anzuschauen - gerade auch wenn man 2 volle Jahre Garantie auf die Instrumente hat.
Bei HK gibt es eine große Auswahl an verschiedenen Modellen in vielen Farben und Holzkombinationen. Für mich waren bei der Entscheidung die Hölzer allerdings wichtiger als die Lackierung, da durch ein bestimmtes Holz auch ein bestimmter Ton erzeugt wird.
Bei günstigen Instrumenten die auch China kommen habe ich die Angewohnheit sie nach dem Funktionstest am Verstärker und eine bißchen drauf rumspielen erstmal zu zerlegen und von Grund auf durchzuchecken. Das habe ich bei dem Bach-Jazzbass auch gemacht als ich ihn bekommen habe - man lernt wirklich viel über die Massenfertigung in China ;)
Die Gitarren bei HK kosten je nach Typ zwischen 75,-€ und 300,-€. Für meine Tele habe ich spät am Abend bei eBay nur knapp 25,-€ bezahlt, und vergleichbare Modelle enden jenseits von 50,-€. Meine Tele wurde als Retour-Ware angeboten, da sie aufgrund kleiner Lackfehler von einem anderen Kunden zurückgegeben worden ist.
Das Modell heißt STL 100 Ash Burl, da sie laut Beschreibung eine Decke aus Eschen Wurzelholz auf einem Korpus aus Linde hat.
Meine Gitarre, das Foto links habe ich direkt nach der Lieferung gemacht, hat allerdings keine aufgesetzte Decke aus Wurzelholz, sondern hat einen komplett einteiligen Eschebody, was man schön erkennen kann wenn man das Pickguard und die Bedienplatte demontiert hat.
Nach ein paar trockenen Licks und Akkorden habe ich die Gitarre an meine kleine Combo angeschlossen um zu testen ob alles funktioniert.
Beide Potis und der 3 Wege Schalter erfüllen ihre Funktion (Volume, Tone, PU-Wahl) so wie man es von einer Telecaster erwartet. Die Gitarre war natürlich durch die Temperaturschwankungen während der Lieferung verstimmt, hielt die Stimmung aber nach direkt und keine Saite ist abgesackt.
Die Mechaniken sind gekapselt und, wie es auch in der Beschreibung erwähnt wird, in Öl gelagert. Sie sind mit einer Schraube an der Rückseite der Kopfplatte verschraubt und von der anderen Seite durch eine Gewindebuchse, welche die Welle führt, gekontert. Sie sind ganz ok, aber ein Feintuning ist nicht sehr gut möglich. Bei Instrumenten aus China wird meist an der Qualität der Hardware gespart, die scheint im Laufe der Zeit zwar auch besser geworden zu sein, jedoch habe ich mich entschieden bei der HK Tele Schaller Mechaniken einzusetzen, die ich mal für die Marathon-Strat gekauft hatte.
Die Tele war entgegen all meinen Erwartungen sehr gut eingestellt. Eine bequeme Saitenlage und auch eine - für eine Telecaster schwierig einzustellende Oktavreinheit waren gegeben. Das einzige Manko waren die billigen Saiten, die noch ein bißchen Schmutz aus der Fabrik, oder vielleicht war es auch Druckerschwärze vom der Umverpackung, trugen. Die Saiten waren sehr dünn, noch eine Ecke schlanker als ein 09er Satz. Sie wurden durch Fender 3150R getauscht.
Der Hals aus Ahorn ist vollkommen unbehandelt und fühlt sich sehr natürlich an. Es sind keinerlei raue Stellen oder Splitter die herausstehen. Das gleiche gilt für das Griffbrett aus Palisander. Es ist von guter Qualität, aber auch vollkommen unbehandelt. Griffbrett und Hals habe ich erst einmal mit Lemon Oil behandelt, welches vom Holz auch sofort aufgenommen worden ist. Die Bünde sind für ein Produkt aus China von sehr guter Qualität und auch sehr gut abgerichtet. Es spielt sich sehr leicht und ohne jegliche Einschränkung durch unsaubere Verarbeitung. Die Dot-Inlays im Griffbrett sitzen alle im richtigen Bund (ja, das gab es alles schon) und sind ebenfalls sehr gut verarbeitet.
An PickUps ist, wie es sich für eine Telecaster gehört, ein Single Coil Lipstick direkt am Hals, und ein Single Coil in der Vintage Bridge verbaut. Beide haben ihren eigenen Klang. Der Lipstick wird von zwei Schrauben nebst Federn im Pickguard gehalten. Der Steg-Tonabnehmer ist mit 3 Schrauben in der Vintage-Brücke eingebaut.
Die Bridge gehört eindeutig zu den minderwertigen Teilen der Gitarre. Sie ist zwar nicht schlecht, jedoch sind die Madenschrauben der Saitenreiter ein wenig zu lang und an den Kanten auch etwas scharf. Wer gerne die Hand zum dämpfen auf der Bridge absetzt wird hier schnell genervt sein. Ich denke die Schrauben lassen sich problemlos gegen kürzere oder "unschärfere" tauschen.
Der Body, welcher wie schon oben erwähnt ein einteiliger Eschekorpus ist, hat eine schöne gelbliche Lasur und ein schwarzes Binding. Das Binding ist allerdings drauflackiert - sonst könnte man die Gitarre nicht zu einem so niedrigen Preis anbieten. An manchen Stellen ist die Farbe nicht ganz sauber aufgebracht und es sind ein paar Lacksprenkler entstanden. Vielleicht ist das der Grund gewesen, dass der Kunde das Instrument zurückgeschickt hat. Mich stört es nicht großartig, da ich die Gitarre ja nicht auf der Bühne spiele oder sie besonders toll aussehen muss. Die Fräsungen und Bohrungen im Body sind gut von der Passform gearbeitet. Man findet natürlich noch einige Holzspäne und ein bißchen Staub.
Das Pickguard macht einen guten Eindruck. Es ist dreilagig und hat als oberste Schicht eine Silver-Flake-Optik. Auch nachdem die Schutzfolie entfernt war wurden kein Risse, Grate oder Späne sichtbar. Die Schrauben mit denen das Pickguard verschraubt ist sind teilweise etwas schief eingedreht worden, das fällt aber nur auf wenn man sie rausdreht. Für meinen Geschmack passt es das Pickguard nicht zu der honigfarbenen Lasur des Bodys und wird vielleicht gegen ein schwarzes getauscht, wenn ich mal eins günstig irgendwo bekomme.
Mein Fazit:
Von der Verarbeitung habe ich schon viele schlechtere Instrumente gesehen die auch als Massenware in China produziert worden sind. Meine HK Tele würde ich auch mit gutem Gewissen einem Anfänger empfehlen, da sie eich wunderbar spielen lässt. Von den Hölzern und deren Verarbeitung her bekommt man bei der HK Tele sehr viel für wenig Geld - ob das allerdings für alle Modelle gilt, oder es sich bei meiner um eine Ausnahme handelt kann ich nicht sagen.
Sie klingt typisch nach Telecaster und zeichnet sich durch den Ahornhals gerade in Verbindung mit dem Stegpickup durch brillanten Höhen aus. Ich muss sie allerdings noch ein wenig weiter spielen und testen um den Klang genauer charakterisieren zu können. Vielleicht nehme ich auch mal ein paar Soundbeispiele auf.
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Aktualisiert (Dienstag, den 26. April 2011 um 14:52 Uhr)